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maschinensprache

Bildquelle: http://www.boewe-bellhowell.de

maschinensprache

maschinensprache:
große künste gingen entzwei
denn der kampf um den schritt voraus
kostete perfektion
auf zweck und funktionalität optimiert
hier wurde sie von geisterhand technisch absorbiert
"guten morgen" heißt das nicht mehr
sondern "initialisiert"
hier hast du meinen input
nun prüfe!
ist er richtig codiert?
wie viele worte lassen sich verfassen
in einer zeit
einheit: minute hoch minus eins
gibt es hierfür kein verfahren
das dem verfasser trotzt
nehm ich trotzdem deins
ich traue deinem menschsein nicht mehr
deine optik verdaut sich nur schwer
druckbuchstaben anstatt dekoration
fehlerquellen sind nicht ziel der konstruktion

hier bleiben sie außen vor
hier bleiben Sie außen vor

empirisch herangetastet
wurdest du meine nummer eins
sowohl herzfeind
als auch maschinenfreund
waren voller überzeugung
es hätte sich bewährt
die fehlerfreiheit feiert einen neuen höhepunkt
der fortschritt hat keinen namen mehr


puma, 2006.
14.10.06 01:00


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von wortwaffen und wasserpistolen

Bildquelle: http://www.ik-ihr-kaufmann.de

von wortwaffen und wasserpistolen

zaghaft begann ich
worte in reimform zu bringen
heraus kam ein inferno aus gemäßigten parolen
vielleicht war es ein route
die man besser nicht hätte einschlagen sollen
das ist nun "das heute"
der fehler von gestern
und der erfolgsversprechungen von morgen
doch nüchtern verharren wir im jetzt
halte apfel-c gedrückt
und zähle laut bis drei
lustlos siegt vernunft
in acht stunden stunden bist du frei
die powerpointgeneration auf fifty-fifty-kurs
"careering" ist das nicht
obwohl man davon spricht
ein schönes leben lässt sich nicht planen
auch wenn weightwatchers und wirtschaftsberater
ihre beste mühe geben
verfluchte schicksalsgeneration
die zeit, die ihr fehlt
bekommt sie niemals zurück
ganz schön jung für ihr alter
ist auch mein ständig wechselnder standpunkt
die quintessenz ist zum formkreisel mutiert


puma, 2006.
14.10.06 01:02


boxhamsters live!

Sa, 28.Oktober 2006, 21.00 Uhr, Moritzbastei



"Die BOXHAMSTERS sind wie die erste große Liebe im Leben. Wichtig, schmerzhaft, geil und unvergesslich." wie der unvermeidliche Thees Uhlmann von Tomte sehr treffend sagte. Leichte Kost ist es nicht, aber wer einmal von den etwas vertrackten Songs gefangen genommen wurde, wird schnell merken, dass die BOXHAMSTERS längst zu modernen Klassikern deutschsprachiger Gitarrenmusik geworden sind. Sieg durch Besserheit oder einfach nur großartige Ideen und Visionen. Nehmt teil am Seminar der einflussreichen BOXHAMSTERS-Schule!


(Quelle: Moritzbastei Leipzig)
22.10.06 12:29


death disco!

death disco

...von public image ltd.

ich liebe dieses lied!

25.10.06 20:12


handsome devil

handsome devil (live in madrid)

god save the smiths!

25.10.06 20:15


Einmal im Kreis und wieder zurück

Bildquelle: http://rocklegends.free.fr

Von den großen Bühnen der Welt und den kleinen Sensationen in Leipzig

Aus alt wird neu: Musik von heute = Musik von gestern (+ eine Ladung Pep)? Inwieweit stimmt diese Gleichung? Erleben wir fortan nur noch musikalische Renaissancen? Und wie sieht es in unserer Stadt aus?

Ich sitze vor dem Computer in meinem Zimmer, im Hintergrund läuft eine U2-Platte aus dem Jahre 1983, und ich überlege mir, was sich die Herren Bono Vox & Co damals gedacht haben könnten, wenn man sie nach der zukünftigen Entwicklung von Musik und Musikindustrie gefragt hätte. Das Motiv, mit „Musik die Welt verändern zu können“ scheint wahrlich in den Hintergrund gerückt zu sein. Stattdessen redet man öfter denn je über Plattenfirmenfusionen, Vermarktungsstrategien, Labelpolitik oder Managementeinrichtungen. Kürzlich erfuhr ich davon, dass es in Deutschland sogar schon möglich ist, Musikmanagement zu studieren. Das Geschäft mit der Musik ist fester Bestandteil der Industrie geworden und berechtigterweise nicht mehr vom Markt wegzudenken. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass die Veränderungen der gesellschaftlichen sowie politischen Umstände ihren Teil hinsichtlich dieser Entwicklung beigetragen haben. So hat sich 15 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein globales System entwickelt, das fast ausschließlich aus dem Wesen rationaler Entscheidungen und bis ins Kalkül durchdachten Leitlinien besteht. Aber bitte. Die Musik darf trotz all dem nicht vergessen werden.
Freitagabend: Ich stehe in der Publikumsmenge beim Konzert einer Leipziger Rockband. Mich lässt das Gefühl nicht los, dass ich – und dieses Gefühl hatte ich oft in letzter Zeit – einfach nichts Neues mehr zu hören bekomme. Aber so allein bin ich mit „diesem Gefühl“ anscheinend nicht. Zumindest stelle ich das immer wieder fest, wenn ich unauffällig den Gesprächen meiner benachbarten Zuhörer lausche: „Das klingt ja wie…“ ist schon eine berüchtigte Floskel geworden. Sind wir zu einfallslos geworden? Oder sind die musikalischen Möglichkeiten tatsächlich erschöpft?
Unterdessen legen DJs in den Clubs wieder die Musik der 80er auf. Für mich als Sympathisant dieses Kapitels Musikgeschichte ist das entgegenkommend, aber irgendwie macht es mich auch nachdenklich. Vielleicht entwickeln die Menschen Sehnsucht für das Frühere, insbesondere dann, wenn das Jetzige nicht mehr gefällt. Das 80er-Jahre-Revival ist dabei aber nur eine von vielen Strömungen, die heute wieder aufgenommen und „neu popularisiert“ werden. Davon profitieren können besonders die Aktivisten der Szene minimalistischer elektronischer Musik, aber auch die Indiebands von gestern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Comebacks von The Cure oder Morrissey im vergangenen Jahr so gefeiert wurden.
Das Prinzip der Massenwirkung zählt. Das ist es wohl, was den Zeitgeist ausmacht. Ernüchternd lasse ich mir diese Erkenntnis noch einmal durch den Kopf gehen. Wenn das wirklich so ist, besteht das heutige Modebewusstsein nur noch aus Widerspiegelungen, die von den Befürwortern gestriger Musik ins Leben zurückgerufen werden. Heißt das, dass wir nur noch Renaissancen erleben? Ich hoffe nicht. Aber andererseits wurde ich schon lange nicht mehr vom Gegenteil überzeugt.
Wie sieht es in Leipzig aus? Werfen die großen Trends Schatten auf die Unbehelligtheit der Musik schaffenden Jugend von morgen? Abseits von den Schaubühnen der Musiklandschaft passiert auch hier Einiges. Allerdings – um in der metaphorischen Stilistik des Theaters zu bleiben – auf Bühnen, die – sowie deren Bretter – selbst erbaut werden mussten. Zu Zeiten der wirtschaftlichen Depression bekommt gerade der Osten des Landes Veränderungen zu spüren. Ein Glück, dass wir in Leipzig wohnen – der Stadt des Wandels und des Booms (so mag manch einer denken). Leider bleibt trotz Tendenz zum Sinnbild ‚Aufbau Ost’ der Bereich Kunst und Kultur in unserer Stadt weitestgehend auf der Strecke.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Das 2004 gegründete Leipziger Label ‚East German International’, abgekürzt ‚EGI’, ist eine von vielen kleinen Institutionen hierzulande, welche dafür eintritt, den musikalischen Geist junger und aufgeschlossener Menschen der Region nach außen zu tragen. Für Daniel Hengst, Mitinitiator von EGI, ist die Labelarbeit eine persönliche Herausforderung; den „Spaß an der Sache sollte man aber nie außer Acht lassen“. So passiert es nicht selten, dass die zehnköpfige EGI-Crew hier und da einen Konzertabend veranstaltet, um ihren Namen nach außen zu tragen und zusätzlich den Bands (darunter Dead Fish Audio, Brockdorff Klang Labor, Süßwasserpolypen) zu Gute kommt. Fördermittel bestehen keine. Das Geld, das durch Veranstaltungen und Verkaufsstände zusammenkommt, wird deshalb für die Gestaltung und den Ausbau des Labels genutzt. Dass man sich gegenseitig unterstützt, wird vorausgesetzt. Die Aufgabenbereiche sind komplex: Sie reichen von Musikproduktion bis hin zur anteilmäßigen finanziellen Bandunterstützung in Sachen Promotion. Bis jetzt ist EGI eine eingetragene Genossenschaft und sieht sich als Plattform für Musikschaffende aus dem Bereich Electropop und Indietronics. Wir werden die Augen offen halten!
Schon etwas spezieller sieht es beim „Rille Ralle Kosmos“ aus, der durch die Brüder Philipp und Stephan Seitz gelenkt wird. Sie verstehen sich hauptsächlich als Bookingagentur für Bands gitarrenlastiger Musik. Nach über drei Jahren ist mit Verbrannte Erde, d.h., Nothing In Common oder der Shutcombo nicht nur ein Bandforum, sondern auch eine wertvolle Community entstanden. „Der Anspruch dahinter“ ist seit langem das Motto im Vordergrund. Und das Konzept geht auf: Die Bands des Kosmos haben Termine für Livegigs und zusammenhängende Touren. Seit 2004 gibt es nun auch regelmäßig Rille Ralle Radio auf Radio Blau. Nicht nur die Produktionen der verbündeten Bands werden gespielt, sondern auch alles, was unter der Rubrik „Gegen den Zeitgeist“ steht. Doch ist dies so einfach?
Der Traum von der aufregenden Zeit, in der man hofft, die guten Ideale in der Musik mit Neugierde zu entdecken, scheint vorbei zu sein. Stattdessen stopfen Teenager ihre Handys mit Klingeltönen – einer neuartigeren Variante von Musik – voll, in der Überzeugung, darin das Richtige gefunden zu haben. Der Hersteller freut sich, doch der ideelle Anspruch dahinter rückt in weite Ferne. Denjenigen, für die dieser Anspruch immer noch geltend ist, bleibt nur noch die Flucht in die Nischen. Diese liegen fernab von den Vorhaben Marktlücken zu füllen oder nachfragegerecht Musik zu produzieren bzw. konsumieren. Sie wissen, dass sie zur Minderheit gehören. Und Minderheiten zu bedienen erweist sich heutzutage nicht nur als schwierig, sondern auch als unwirtschaftlich. Für diese Menschen sind die Entertainer von gestern immer noch die Entertainer von heute; der Glaube von damals immer noch gegenwärtig. Trotz all dem ist der Lifestyle der Kultur heute ein anderer. Schade, dass ich nicht früher auf die Welt gekommen bin.

Puma, 2005.

[erschienen im Abschlussheft einer feinen Leipziger Schule, Juni 2005]
25.10.06 20:25


Mädchen aller Nähmaschinen, vereinigt Euch!



Alles fing an mit dem VEB-Produkt „vesna BAGAT 703/1“. Und entwickelte sich zu einer Plattform für die wohl schönste Nebensache der Welt, die das im WM-Taumel vernarrte Männlein bemitleidend im Abseits stehen lässt: das Nähen! Luisa (22) aus Leipzig gründete die Anlaufstelle „quasiMir“, die seit einem halben Jahr auch als Internetportal existiert.

Nähen ist im Vergleich zum Fußball nicht nur die ergebnisreichere Tätigkeit, sondern auch mindestens genauso leidenschaftlich. Doch ich möchte nicht zum Geschlechterkampf aufrufen. War Nähen zu Großmutters Zeiten ein geradezu selbstverständlicher Zeitvertreib, so ist dessen Praktizieren heute wohl wortwörtlich aus der Mode gekommen. Luisas Oma vermachte ihr solch eine alte DDR-Nähmaschine, von deren Funktionsweise sie zunächst überfordert war – zu kompliziert erschien die Gebrauchsanweisung, die damals wohl keiner brauchte. Doch dank des Kursangebotes unserer Volkshochschulen sowie ein wenig Mut zur Überwindung, stieg quasi über Nacht Euphorie und Tatendrang auf: Textilstoff alter, ungebrauchter Sachen wurde zu Luisas erstem Versuchsobjekt für selbst kreierte Accessoires.
Manchmal entsteht eine Idee aus der Not, so auch, als Luisas Tabakdose auseinander fiel; für Raucher ein Debakel, denn nichts ist schlimmer als eine Tasche, die im Inneren mit kleinen, vertrockneten Tabakkrümeln übersäht ist. Wie eine Glühbirne ging ein Licht auf und es entstanden - extra für den Tabak - separate Taschen in verschiedenen Motiven, Mustern und Farben. Natürlich nicht nur zum Selbstzweck, sondern auch als Präsent für Freunde und Umfeld. Ganz entscheidend auffällig dabei: Das Unikat-Flair, denn jedes Textilprodukt ist mit einem bestimmten Persönlichkeitsmerkmal auf dessen Besitzer zugeschnitten. Und jeder, der eine von Luisas Tabaktaschen geschenkt bekam, sagte dann mit funkelnden Augen: „Das ist ja quasi mir!“. Was für eine Idee!
Nach immer häufigeren Anfragen und scheinbar vielen weiteren kaputt gegangenen Tabakdosen, musste nun ein Labelname her. Also was lag näher als quasiMir? Denn Eigentum ist erst dann eigen, wenn es tatsächlich ein Teil von mir ist. Hier findet der Begriff Besitz eine völlig neue, eindringlichere Dimension als es bisher der Fall war. Und Luisa näht weiter, entwickelt Ideen und gibt - von „mir“ zu „dir“. Inzwischen hat sie sich eine neue Nähmaschine angeschafft, mit der sie neben den legendären Tabaktaschen viele weitere Kreationen fertigt. Das Sortiment reicht von Beuteln und Taschen aller Art bis hin zu Pulsbändern, Gürteltaschen und Sonnenbrillenetuis.
Was Luisa nun noch fehlte, war eine Präsentationsplattform. Medium Internet verschaffte Abhilfe und gibt dem Nutzer seitdem die Möglichkeit, ihre stolzen Kunstwerke unter www.myblog.de/luisatopia zu bestaunen. Das Produktionsprinzip ist und bleibt der Einzelanfertigungsstil und das persönliche Signet als Einzigartigkeitsindiz für den jeweiligen Besitzer. Luisas Wunsch: Ein freies „Näh-Netzwerk“, das den Austausch modebewusster Ideen und die Vereinigung eines aktiven Zugehörigkeitskreises vorantreibt. Die „Revolution der Nähkultur“ soll ein berauschendes Comeback erleben, damit die Freude – ausgelöst durch diese so wertvollen, textilen Werke – nie wieder ein Ende nimmt; quasi für immer, quasiMir!

quasiMir im Internet: www.myblog.de/luisatopia

Puma, 2006.

[erschienen im EGIMAG#1, Mai 2006]
25.10.06 20:28


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