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Der Westen hat versagt

Der Westen hat versagt

Eine Kolumne anläßlich zum Jubiläum des Mauerfalls.

09.11.09 - Nun sind es schon 20 Jahre. Eine unglaubliche Zahl, wenn ich bedenke, dass ich selbst als Kind mehr oder weniger bewusst die politischen Geschehnisse jener 89er Wendetage miterlebt habe. Meine Eltern auf der Demo, meine Schwester und ich vorm Fernseher - die Ereignisse jener Tage mitverfolgend. Träume hatten sich aufgetan in den Köpfen der Menschen; und dann ging alles ganz schnell. Grenzöffnung, D-Mark, Zwei-plus-Vier-Vertrag, Wiedervereinigung. Die Geschichtsschreibung spricht vom historischen Glück der Deutschen. Ich blicke zurück und doch irgendwie bedauernd auf die Entwicklung bis heute.
Musste ich doch nichts vermissen in meinem jugendlichen Dasein; aufgewachsen in einem guten Elternhaus und weit weg von Not und Sorge. Und doch war da so viel Angst um Zukunft in den Menschen. Ich konnte mir zunächst nie ein Urteil bilden in all den Jahren der "Wiedervereinigung". Doch mit jedem Jahr, mit dem ich ein Stückchen älter werde, wächst in mir die Bestätigung, dass grobe Fehler begangen wurden. Die Stillegung der ostdeutschen Wirtschaft, die Oktroyierung des politischen Systems der BRD - gegen die sich, ganz im Sinne von "Das wird schon gut und richtig sein", keiner im ostdeutschen Raum wehren wollte, sowie die Einführung westlicher Marktstrukturen begegnen mich mit Skepsis. Wirtschaftswissenschaftler reden kühl vom "Erschließen neuer Absatzmärkte", ich denke, es handelte sich eher um einen Raubbau. Ich sehe es noch ganz genau vor mir: Massa und Allkauf - jetzt in unserem Stadtteil. Ganz groß und spärlich in ihren Ausstattungen - eben typisch konsumorientiert. Und Mitte der 1990er wurde es wieder still, da sich die besagten Ketten satt gewonnen hatten und nun - wo es nichts mehr einzutreiben gab bei den Menschen - ihren Rückzug antraten. Blühend wurde es nur wirtschaftlich. Aber nicht für die Menschen, die hier wohnten.
Es liegt nicht in meiner Natur, Schwarzweiss-Malerei zu betreiben. So müssen auch die erwähnt werden, die politisch und bürgerlich zu Führungskräften avancierten, weil sie sich der Zeit und ihren Veränderungen bewusst waren. Diesen geht es heute gut und warum sollten sie - insofern sie noch die Kraft dazu hätten - sich ein weiteres Mal für eine Verbesserung der Geschichte stark machen?
Die Kids dagegen wachsen mit den Strukturen und ihren Gesetzen auf, nehmen sie an, denn sie kennen es nicht anders. Mittlerweile gibt es keine Unterschiede zwischen einem "ostdeutschen Jugendlichen" und einem "westdeutschen Jugendlichen". Und das ist auch gut, damit der elendige Ost-West-Konflikt, der noch immer zum Jahrestag der deutschen Einheit unterschwellig in den Medien propagiert wird, aus dem Bewusstsein der Menschen herausgefegt wird. Aber dennoch wurden Fehler gemacht und diese hinterließen Narben, die gerne als Anlass von beiden Seiten genommen werden, um den Kampf der Klischees wiederaufzunehmen.
Ich sehe die x-te Sendung im Fernsehen zum Thema Ost und West, schaue in mich und mein Umfeld und begegne dem Verhältnis mit Demut. Demut, weil ein Hochmut herrschte, der von der einen Seite als "normal" und von der anderen Seite als "gutgläubig" empfunden wurde. Ich sehe etwas, das man sich gut durch den Kopf gehen hat lassen musste. 40 Jahre örtliche Trennung haben zwei völlig verschiedene Gefühlsdeutungen in den Köpfen verursacht. Die Verschmähten haben letzten Endes gesiegt, weil sie an ihrem schlechten Charisma festhielten.
Ich begrüße nach wie vor den Plan meines Vaters, er wolle - natürlich spaßig gemeint - das Buch "Die Wessi-Feldzüge" schreiben. Nein, mein Vater ist kein Wendeopfer, er ist auch kein Kommunist oder ehemaliges Parteimitglied; er war und ist ein ehrlicher, tüchtiger und kluger Mann.
9.11.09 23:48


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Mädchen aller Nähmaschinen, vereinigt Euch!



Alles fing an mit dem VEB-Produkt „vesna BAGAT 703/1“. Und entwickelte sich zu einer Plattform für die wohl schönste Nebensache der Welt, die das im WM-Taumel vernarrte Männlein bemitleidend im Abseits stehen lässt: das Nähen! Luisa (22) aus Leipzig gründete die Anlaufstelle „quasiMir“, die seit einem halben Jahr auch als Internetportal existiert.

Nähen ist im Vergleich zum Fußball nicht nur die ergebnisreichere Tätigkeit, sondern auch mindestens genauso leidenschaftlich. Doch ich möchte nicht zum Geschlechterkampf aufrufen. War Nähen zu Großmutters Zeiten ein geradezu selbstverständlicher Zeitvertreib, so ist dessen Praktizieren heute wohl wortwörtlich aus der Mode gekommen. Luisas Oma vermachte ihr solch eine alte DDR-Nähmaschine, von deren Funktionsweise sie zunächst überfordert war – zu kompliziert erschien die Gebrauchsanweisung, die damals wohl keiner brauchte. Doch dank des Kursangebotes unserer Volkshochschulen sowie ein wenig Mut zur Überwindung, stieg quasi über Nacht Euphorie und Tatendrang auf: Textilstoff alter, ungebrauchter Sachen wurde zu Luisas erstem Versuchsobjekt für selbst kreierte Accessoires.
Manchmal entsteht eine Idee aus der Not, so auch, als Luisas Tabakdose auseinander fiel; für Raucher ein Debakel, denn nichts ist schlimmer als eine Tasche, die im Inneren mit kleinen, vertrockneten Tabakkrümeln übersäht ist. Wie eine Glühbirne ging ein Licht auf und es entstanden - extra für den Tabak - separate Taschen in verschiedenen Motiven, Mustern und Farben. Natürlich nicht nur zum Selbstzweck, sondern auch als Präsent für Freunde und Umfeld. Ganz entscheidend auffällig dabei: Das Unikat-Flair, denn jedes Textilprodukt ist mit einem bestimmten Persönlichkeitsmerkmal auf dessen Besitzer zugeschnitten. Und jeder, der eine von Luisas Tabaktaschen geschenkt bekam, sagte dann mit funkelnden Augen: „Das ist ja quasi mir!“. Was für eine Idee!
Nach immer häufigeren Anfragen und scheinbar vielen weiteren kaputt gegangenen Tabakdosen, musste nun ein Labelname her. Also was lag näher als quasiMir? Denn Eigentum ist erst dann eigen, wenn es tatsächlich ein Teil von mir ist. Hier findet der Begriff Besitz eine völlig neue, eindringlichere Dimension als es bisher der Fall war. Und Luisa näht weiter, entwickelt Ideen und gibt - von „mir“ zu „dir“. Inzwischen hat sie sich eine neue Nähmaschine angeschafft, mit der sie neben den legendären Tabaktaschen viele weitere Kreationen fertigt. Das Sortiment reicht von Beuteln und Taschen aller Art bis hin zu Pulsbändern, Gürteltaschen und Sonnenbrillenetuis.
Was Luisa nun noch fehlte, war eine Präsentationsplattform. Medium Internet verschaffte Abhilfe und gibt dem Nutzer seitdem die Möglichkeit, ihre stolzen Kunstwerke unter www.myblog.de/luisatopia zu bestaunen. Das Produktionsprinzip ist und bleibt der Einzelanfertigungsstil und das persönliche Signet als Einzigartigkeitsindiz für den jeweiligen Besitzer. Luisas Wunsch: Ein freies „Näh-Netzwerk“, das den Austausch modebewusster Ideen und die Vereinigung eines aktiven Zugehörigkeitskreises vorantreibt. Die „Revolution der Nähkultur“ soll ein berauschendes Comeback erleben, damit die Freude – ausgelöst durch diese so wertvollen, textilen Werke – nie wieder ein Ende nimmt; quasi für immer, quasiMir!

quasiMir im Internet: www.myblog.de/luisatopia

Puma, 2006.

[erschienen im EGIMAG#1, Mai 2006]
25.10.06 20:28


Einmal im Kreis und wieder zurück

Bildquelle: http://rocklegends.free.fr

Von den großen Bühnen der Welt und den kleinen Sensationen in Leipzig

Aus alt wird neu: Musik von heute = Musik von gestern (+ eine Ladung Pep)? Inwieweit stimmt diese Gleichung? Erleben wir fortan nur noch musikalische Renaissancen? Und wie sieht es in unserer Stadt aus?

Ich sitze vor dem Computer in meinem Zimmer, im Hintergrund läuft eine U2-Platte aus dem Jahre 1983, und ich überlege mir, was sich die Herren Bono Vox & Co damals gedacht haben könnten, wenn man sie nach der zukünftigen Entwicklung von Musik und Musikindustrie gefragt hätte. Das Motiv, mit „Musik die Welt verändern zu können“ scheint wahrlich in den Hintergrund gerückt zu sein. Stattdessen redet man öfter denn je über Plattenfirmenfusionen, Vermarktungsstrategien, Labelpolitik oder Managementeinrichtungen. Kürzlich erfuhr ich davon, dass es in Deutschland sogar schon möglich ist, Musikmanagement zu studieren. Das Geschäft mit der Musik ist fester Bestandteil der Industrie geworden und berechtigterweise nicht mehr vom Markt wegzudenken. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass die Veränderungen der gesellschaftlichen sowie politischen Umstände ihren Teil hinsichtlich dieser Entwicklung beigetragen haben. So hat sich 15 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein globales System entwickelt, das fast ausschließlich aus dem Wesen rationaler Entscheidungen und bis ins Kalkül durchdachten Leitlinien besteht. Aber bitte. Die Musik darf trotz all dem nicht vergessen werden.
Freitagabend: Ich stehe in der Publikumsmenge beim Konzert einer Leipziger Rockband. Mich lässt das Gefühl nicht los, dass ich – und dieses Gefühl hatte ich oft in letzter Zeit – einfach nichts Neues mehr zu hören bekomme. Aber so allein bin ich mit „diesem Gefühl“ anscheinend nicht. Zumindest stelle ich das immer wieder fest, wenn ich unauffällig den Gesprächen meiner benachbarten Zuhörer lausche: „Das klingt ja wie…“ ist schon eine berüchtigte Floskel geworden. Sind wir zu einfallslos geworden? Oder sind die musikalischen Möglichkeiten tatsächlich erschöpft?
Unterdessen legen DJs in den Clubs wieder die Musik der 80er auf. Für mich als Sympathisant dieses Kapitels Musikgeschichte ist das entgegenkommend, aber irgendwie macht es mich auch nachdenklich. Vielleicht entwickeln die Menschen Sehnsucht für das Frühere, insbesondere dann, wenn das Jetzige nicht mehr gefällt. Das 80er-Jahre-Revival ist dabei aber nur eine von vielen Strömungen, die heute wieder aufgenommen und „neu popularisiert“ werden. Davon profitieren können besonders die Aktivisten der Szene minimalistischer elektronischer Musik, aber auch die Indiebands von gestern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Comebacks von The Cure oder Morrissey im vergangenen Jahr so gefeiert wurden.
Das Prinzip der Massenwirkung zählt. Das ist es wohl, was den Zeitgeist ausmacht. Ernüchternd lasse ich mir diese Erkenntnis noch einmal durch den Kopf gehen. Wenn das wirklich so ist, besteht das heutige Modebewusstsein nur noch aus Widerspiegelungen, die von den Befürwortern gestriger Musik ins Leben zurückgerufen werden. Heißt das, dass wir nur noch Renaissancen erleben? Ich hoffe nicht. Aber andererseits wurde ich schon lange nicht mehr vom Gegenteil überzeugt.
Wie sieht es in Leipzig aus? Werfen die großen Trends Schatten auf die Unbehelligtheit der Musik schaffenden Jugend von morgen? Abseits von den Schaubühnen der Musiklandschaft passiert auch hier Einiges. Allerdings – um in der metaphorischen Stilistik des Theaters zu bleiben – auf Bühnen, die – sowie deren Bretter – selbst erbaut werden mussten. Zu Zeiten der wirtschaftlichen Depression bekommt gerade der Osten des Landes Veränderungen zu spüren. Ein Glück, dass wir in Leipzig wohnen – der Stadt des Wandels und des Booms (so mag manch einer denken). Leider bleibt trotz Tendenz zum Sinnbild ‚Aufbau Ost’ der Bereich Kunst und Kultur in unserer Stadt weitestgehend auf der Strecke.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Das 2004 gegründete Leipziger Label ‚East German International’, abgekürzt ‚EGI’, ist eine von vielen kleinen Institutionen hierzulande, welche dafür eintritt, den musikalischen Geist junger und aufgeschlossener Menschen der Region nach außen zu tragen. Für Daniel Hengst, Mitinitiator von EGI, ist die Labelarbeit eine persönliche Herausforderung; den „Spaß an der Sache sollte man aber nie außer Acht lassen“. So passiert es nicht selten, dass die zehnköpfige EGI-Crew hier und da einen Konzertabend veranstaltet, um ihren Namen nach außen zu tragen und zusätzlich den Bands (darunter Dead Fish Audio, Brockdorff Klang Labor, Süßwasserpolypen) zu Gute kommt. Fördermittel bestehen keine. Das Geld, das durch Veranstaltungen und Verkaufsstände zusammenkommt, wird deshalb für die Gestaltung und den Ausbau des Labels genutzt. Dass man sich gegenseitig unterstützt, wird vorausgesetzt. Die Aufgabenbereiche sind komplex: Sie reichen von Musikproduktion bis hin zur anteilmäßigen finanziellen Bandunterstützung in Sachen Promotion. Bis jetzt ist EGI eine eingetragene Genossenschaft und sieht sich als Plattform für Musikschaffende aus dem Bereich Electropop und Indietronics. Wir werden die Augen offen halten!
Schon etwas spezieller sieht es beim „Rille Ralle Kosmos“ aus, der durch die Brüder Philipp und Stephan Seitz gelenkt wird. Sie verstehen sich hauptsächlich als Bookingagentur für Bands gitarrenlastiger Musik. Nach über drei Jahren ist mit Verbrannte Erde, d.h., Nothing In Common oder der Shutcombo nicht nur ein Bandforum, sondern auch eine wertvolle Community entstanden. „Der Anspruch dahinter“ ist seit langem das Motto im Vordergrund. Und das Konzept geht auf: Die Bands des Kosmos haben Termine für Livegigs und zusammenhängende Touren. Seit 2004 gibt es nun auch regelmäßig Rille Ralle Radio auf Radio Blau. Nicht nur die Produktionen der verbündeten Bands werden gespielt, sondern auch alles, was unter der Rubrik „Gegen den Zeitgeist“ steht. Doch ist dies so einfach?
Der Traum von der aufregenden Zeit, in der man hofft, die guten Ideale in der Musik mit Neugierde zu entdecken, scheint vorbei zu sein. Stattdessen stopfen Teenager ihre Handys mit Klingeltönen – einer neuartigeren Variante von Musik – voll, in der Überzeugung, darin das Richtige gefunden zu haben. Der Hersteller freut sich, doch der ideelle Anspruch dahinter rückt in weite Ferne. Denjenigen, für die dieser Anspruch immer noch geltend ist, bleibt nur noch die Flucht in die Nischen. Diese liegen fernab von den Vorhaben Marktlücken zu füllen oder nachfragegerecht Musik zu produzieren bzw. konsumieren. Sie wissen, dass sie zur Minderheit gehören. Und Minderheiten zu bedienen erweist sich heutzutage nicht nur als schwierig, sondern auch als unwirtschaftlich. Für diese Menschen sind die Entertainer von gestern immer noch die Entertainer von heute; der Glaube von damals immer noch gegenwärtig. Trotz all dem ist der Lifestyle der Kultur heute ein anderer. Schade, dass ich nicht früher auf die Welt gekommen bin.

Puma, 2005.

[erschienen im Abschlussheft einer feinen Leipziger Schule, Juni 2005]
25.10.06 20:25


AZAEL

Bildquelle: http://www.swp-records.de

AZAEL – Steht Rap schon jetzt vor dem Abgrund?

Was ist heute noch ernst gemeint in deutschen Rap-Texten? Wieviel Gewaltpotenzial liegt in der Hip Hop Szene und wie kann man einem aktiven Rap-Repräsentanten beibringen, dass er Verantwortung gegenüber seinen jungen Hörern trägt? AZAEL’s Texte sind sehr umstritten, doch treffen Aussagen, deren Wahrheitswert deutlich höher liegt als ihr Niveau.

Auch in diesem Jahr konnten einmal mehr deutsche Rap-Acts kommerzielle Erfolge in den Charts verbuchen. Hip Hop ist mittlerweile auch für den Otto Normalverbraucher unter den Musik-Konsumenten ein unumgänglicher Begriff, hat allerdings die Kluft zwischen Underground und Mainstream deutlich vergrößert. Streitigkeiten innerhalb der Szene sind daher in den letzten Jahren häufiger geworden.
Doch wie sieht es eigentlich in Leipzig aus? AZAEL, der „Hardcore-Rapper aus dem Jenseits“, veröffentlicht am 1. Januar sein erstes Album mit dem unkonventionellen Titel „Warum ich starb“. Dieses enthält thematisch neben dem Genre Battle Rap auch starke Kritik an der momentanen Situation im deutschen Hip Hop. Speziell veranschaulicht er diese am Beispiel der Leipziger Szenewelt. Zusammen mit einigen Kollegen seiner Crew „Battle Brigade“, die ebenfalls auf seinem Album zu Wort kommen, will AZAEL besonders ein Vorhaben durchsetzen: nämlich nicht etwa Hip Hop zu regieren, sondern vielmehr die starren Anschauungen der Szene zu verändern.
„Bei den Juden ein Engel, der sich über Gott erhebt“. Mit diesem Vergleich beschreibt AZAEL seine Stellung im Leipziger Hip Hop - Gefüge. Inwieweit er mit dieser These Recht hat, wird er noch beweisen müssen. Immerhin sind Live Performances sehr rar um seine Person. Bisherige fanden meist spontan bei Privat-Parties im engeren Kreis statt. Ein bisher erster öffentlicher Auftritt ist im Februar 2003 im Kosmospolitan geplant.
AZAEL zeigt sich selbstbewusst und spricht klare Worte: Mehr rappen, weniger reden. Über seine Wortwahl lässt sich allerdings sehr streiten. So ist zum Beispiel der umgangssprachliche Ausdruck „Nigger“, welches jedoch streng im Hip Hop-Kontext zu betrachten ist, keine Seltenheit. Obszöne Sachverhalte und aggressive Angriffstöne markieren die eine Seite; das Gesamtbild errechnet sich letztendlich nicht nur aus Text, sondern auch aus der Musik. Hierbei setzt AZAEL auf eigen produzierte Beats, welche sich als überaus avantgardistisch erweisen. Zur Krönung des Sonderfalls AZAEL ist seine CD nur an einem Ort in Leipzig erhältlich: im SCHALL & RAUSCH. Auf eventuelle Ablehnungen seiner Textinhalte ist AZAEL vorbereitet. Seiner Meinung nach liegt die Message im Detail. Ob diese jeder verstehen wird?

Puma, 2003

[erschienen im BLITZ! Leipzig, Januar 2003]
25.10.06 21:57


Tanzen macht Spaß

Tanzen macht Spaß

Nach indischem Sprachgebrauch steht der Name SHIVA RUDRA für „Gott des Tanzes“. Genau die richtige Bezeichnung für einen Lebenskünstler, der Musik nicht nur liebt, sondern auch lebt. Und hierzulande gibt es einen, dessen musikalisches Feingefühl und kulturelles Engagement Leipzig ein Flair gibt, das eher Seltenheitswert hat.

In einem Zeitalter, in dem sogenannte Talente scheinbar nur noch mittels Castings festgemacht werden und durch ihre zu überhöhte Medienpräsenz zu „Sternchen“ aufsteigen, sticht (Gott sei Dank!) einer aus der Rolle: Shiva Rudra. Der 27jährige DJ und Producer kann mittlerweile auf eine beachtenswerte Musikvergangenheit zurückblicken: Seit 1989 steht er im Dienste der Klänge und Töne, dabei war sein Bestreben nie auf ein Instrument oder Stil konzentriert. Nach einer Reihe diverser Musikproduktionen im Bereich Punk, Hard Rock und Gothic, entdeckte er 1997 das Djing für sich. Egal, ob Break Beat, Electronica, Drum n Bass oder Hip Hop, Shiva Rudra versüßt in jedem Falle die Atmosphäre einer Party und verleidet sogar den steifsten dazu, das Tanzparkett zu betreten. Und selbst, wenn er nicht gerade derjenige ist, der die Musik auflegt, kann man ihn in Clubs zumindest tanzend zwischen Tresen und DJ-Pult antreffen.
Geboren und aufgewachsen in der sachsen-anhaltinischen Kleinstadt Zerbst, lebt der gelernte Erzieher nun seit zwei Jahren in Leipzig. Regelmäßig Donnerstagabend gibt er sich in der Leipziger Villa zusammen mit Dali bei „Knagge“ die Ehre, zudem steht er gelegentlich im Richard S hinter den Plattenspielern. Doch damit nicht genug: Shiva ist seit Ende 2000 fester Bestandteil der Leipziger Free Hip Hop - Combo SWP, deren Musik besonders durch seine Einflüsse im Bereich Beatproduktion ein ganz neues Gesicht bekommen hat. Des weiteren plant unter anderem der legendäre Verbalakteur Volly Tanner mit ihm ein Hörspiel, bestehend aus Musik- und Sprechpassagen.
Shivas Strategie ist deutlich: Er beschränkt sich nicht auf einen Stil, sondern experimentiert viel und ist offen genug, auch mal etwas Neues zu wagen. Die Essenz ist und bleibt die Musik, die Wirkung die Bewegung. Zumindest im Normalfall. Das klingt nach Schema F, ist aber nichts weiter als eine Methode, die Shivas Grundgedanke zu sein scheint.
Da zwischen Musik hören und Musik machen ein durchaus größerer Unterschied liegt, als man annimmt, kann man den „Zerbster Ur-Punk“ durchaus als kleines Genie bezeichnen. Schließlich steckt er die meiste Energie in die Sache, die ihm am meisten Spaß macht – sei es in die Tätigkeit als technischer Assistent bei Veranstaltungen oder bei der „bloßen Produktion“ eines Mixtapes. Sein aktuellstes trägt im übrigen den Namen „SHIVA RUDRA 2002“ und enthält – im Gegensatz zu seiner am Anfang des Jahres erschienenen „Elektroliebe“ – Hip Hop- und Abstract- Elemente.
Wer neugierig geworden ist, sollte sich den Namen merken oder bei Anfragen jeglicher Art einfach mal durchmailen: shivarudra@web.de. Gen Ende bleibt nur noch eins zu ihm zu sagen: Eine Persönlichkeit, die es allemal wert ist, anzutreffen. Lang lebe Shiva Rudra!

Puma, 2002

[erschienen im BLITZ! Leipzig, August 2002]
25.10.06 21:53





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